Rumänien (Oktober - Dezember 2010)

Rumänien (Oktober - Dezember 2010)

24. +0100k312011bEurope/BerlinTue, 11 Jan 2011 09:20:28 +0100 2010

12 Stunden Zugfahrt, 1000 Kilometer…?

Abgelegt unter: Allgemein — silvia petzoldt @ 09:20

Noch 6 Minuten bis zur Abfahrt des Zuges Richtung Budapest. Und ich hatte noch nicht mal das Ticket! Sah nur die Anstehenden am Schalter und dachte, jetzt muss ich gleich rennen und das vollgepackt mit großem Koffer. Schnell das Ticket gekauft und schon renne ich tatsächlich los, wie, weiß ich nicht genau, suche nach dem Gleis. Es regnet. Komme an und blicke mich um, kein Zug nach Budapest. Frage einen der rumänischen Schaffner auf dem Bahnsteig - ich, mit verzweifeltem Gesichtsausdruck - Zug, nach Budapest? Und er zeigt auf ein Nebengleis; der Zug würde jetzt gleich auf unser Gleis einfahren. Es saßen schon Fahrgäste im Zug, das bringt mich in Verwirrung. Und um Sicherheit zu gewinnen, dass der Zug nicht ohne mich wegfahren wird, komme ich ins Gespräch mit einem Ungarn, der die Worte des Schaffners bestätigt. Und so warten wir noch eine halbe Stunde, bis dann der Zug auf unser Gleis einfährt. Ein weiteres Abenteuer bestanden. Alles ruhig unterwegs. In Budapest schneit es. Ein viertätiger Zwischenaufenthalt ist angesagt, bevor es zurück nach Berlin geht. Das Ticket kaufe ich Freitag früh und freue mich, dass es noch preisgünstig ist. Samstag fahre ich nach Szeged, meine 90-jährigen Großeltern besuchen Die Angewohnheit, überallhin Lebensmittel und v.a. etwas Kaffee mitzunehmen, lasse ich auch jetzt nicht fallen. So schlendert wieder eine kleine Plastiktüte in meiner Hand. Die Zeit verfliegt und Montag Abend packe ich wieder den (nicht ausgepackten) Koffer, bringe die Budapester Wohnung in Ordnung und spreche mit Feri, den ich am nächsten Morgen treffen werde, um die Schlüssel zu übergeben. Nächster Morgen. Feri kommt mit etwas Verspätung, aber es ist genügend Zeit. Ein Schnupfen kündigt sich bei mir an. Ich bin froh: meinen Koffer aus dem 2. Stock trägt Feri hinunter. Ich rufe das Taxi, verabschiede mich mit etwas Wehmut von Feri und warte. Das Taxi kommt. Ein gut gekleideter älterer Herr, der sofort zu meckern anfängt, über eine Fußgängerin, die ihn nicht weiterfahren lässt, weil sie über die Straße muss und vieles mehr. Bis zum Keleti sind es nur knappe 10 Minuten, so dass das Meckern bald verstummt. Diesmal steige ich nicht in den Zug nach Klausenburg, sondern in den nach Berlin ein. Ich habe noch etwas Zeit; kaufe eine Zeitung. Schließlich steige ich ein, zwänge mich durch den schmalen Gang, und finde das Abteil. Es sitzen bereits zwei Asiatinnen da, auch mit viel Gepäck. Unterwegs fällt die Heizung aus, wir ziehen unsere Jacken an. Die Schaffner reden mal auf Slowakisch, Tschechisch, Ungarisch, und sehen doch alle irgendwie gleich aus. Ich blicke nach draußen, bin gespannt auf Berlin, höre die Stimme des deutschen Schaffners, deutsche Fahrgäste steigen ein, und das nachdem ich wenige Stunden, Tage zuvor nur Ungarisch oder Rumänisch gehört hatte. Sie sind zurückhaltender, aber selbst vergnügt. Wir kommen kurz nach 21 Uhr pünktlich auf die Minute in Berlin-Südkreuz an. Etwa 12 Stunden Zugfahrt habe ich hinter mir. Quer durch Osteuropa und doch ist Budapest nur 1,5 Stunden mit dem Flieger von Berlin entfernt. Aber ich bin wieder in Deutschland. Alles ruhig am Abend, keine Hektik im Bahnhof. Alles wirkt sicher, ganz anders als im südöstlichen Europa. Ich blicke auf den Zug, der weiter Richtung Hauptbahnhof fährt. Dort hat er sein Ziel erreicht und wird bald wieder Richtung Budapest fahren. Ich setze mich ins Auto, freue mich, dass mich mein Lichtenrader Vermieter abgeholt hat, und lasse meinen Blick und die Gedanken schweifen, diesmal im winterlichen Berlin…

24. +0100k312010bEurope/BerlinWed, 01 Dec 2010 11:29:44 +0100 2010

Hermannstadt, Schäßburg und Kronstadt

Abgelegt unter: Allgemein — silvia petzoldt @ 11:29

Zauberhafte Namen - zauberhafte Städte.
Siebenbürgen hat unglaublich viele schöne Facetten, was die Landschaft, die Städte und die Menschen betrifft.

Mehrsprachigkeit ist in gemischten Gebieten an der Tagesordnung - und man lernt schnell ein paar Wörter aus dem Rumänischen oder Ungarischen.

Im herbstlichen Siebenbürgen habe ich mich aufgemacht, zu zwei kleineren Reisen, um einst von den Siebenbürger Sachsen gegründete Städte zu erkunden und etwas über die Schauplätze zu erfahren, die so oft in der Literatur der Sachsen beschrieben werden. Literatur und Realität - vergleichbar?

Meine erste Station war Hermannstadt / rum. Sibiu / ung. Nagyszeben, mit dem Bus ca. 3-4 Stunden von Cluj entfernt. Auf der Hinreise nahm ich jedoch den Zug, um unterwegs etwas lesen zu können. Es war bereits herbstlich kalt und die Heizung im Zug lief nur langsam an. Nachmittags gegen 15 Uhr erreichte ich mein Ziel. Zu Fuß machte ich mich auf in das alte Stadtzentrum, zum Großen Platz. Ich hatte Bilder aus Büchern im Kopf - doch die “wirkliche” Atmosphäre erlebte ich erst vor Ort.

Bei strahlend blauem Himmel erkundigte ich an zwei Tagen alle Winkel im Stadtkern, besuchte verschiedene Museen oder ließ mich von den restaurierten Bauten inspirieren. Am letzten Tag erhielt ich noch eine kundige Stadtführung, die meinen Blick für die Details der Geschichte, sichtbar im Kern der Stadt, geschärft hat. Hermannstadt - Geburtsort u.a. des siebenbürgisch-sächsischen Schriftstellers Paul Schuster (1930-2004).
Ein paar Wochen später, nachdem ich bereits Einiges in den Bibliotheken recherchiert und kopiert hatte, stand eine zweite, etwas umfangreichere Reise an, die ich gemeinsam mit einer Berliner Freundin angehen wollte.

Ziel unserer Reise war diesmal das südlicher gelegene Kronstadt / rum. Brasov / ung. Brassó im Burzenland. In Rosenau bei Kronstadt wurde der Schriftsteller Hans Bergel (geb. 1925) geboren, der viel zur kulturellen Vielfalt in Siebenbürgen geschrieben hat. Bevor wir nach Kronstadt fuhren, machten wir einen Zwischenstopp in Schäßburg / rum. Sighisoara / ung. Segesvár. Vom Anblick der am Abend hell erleuchteten Stadt fasziniert marschierten wir in Richtung Unterkunft. Am nächsten Tag begang unser Stadtrundgang mit einem Besuch im stadthistorischen Museum; dann ging es hinauf auf den Burgberg, dort erwartete uns die alte Evangelische Burgkirche. Auf dem dazugehörigen Friedhof entdeckte ich einige mir bekannte Namen.

Und dann erwartete uns Kronstadt - mit zunächst erschauderndem Blick auf die sozialistischen Bauten vom Bahnhofsgebäude aus. Kein historischer Stadtkern weit und breit. Wir fuhren in unsere Unterkunft in der Bartholomae-Kirchengemeinde, wo wir sehr freundlich empfangen wurden. Unser erstes Ausflugsziel war das von Touristen bevölkerte s.g. Drakula-Schloss in Bran oder auch Törzburg genannt. Unübersehbar war auf dem Weg dorthin der hollywoodartige Schriftzug “Rasnov” für Rosenau am Berghang. Am nächsten Tag wartete ein Stadtrundgang durch Kronstadt - es war tiefer Nebel und grau, der Schriftzug “Brasov” am Berghang nicht zu sehen, doch allmählich kämpfte sich die Sonne hervor und ein wunderbarer Anblick bot sich uns. Ich suchte nach den kleineren Winkeln und Gassen; spürte die Synagoge auf, war beeindruckt von der vielschichtigen Dokumentations- und Fotoausstellung zu den “Widerstandsbewegungen in Zentral- und Osteuropa zwischen 1956-1987″ auf dem Platz vor dem alten Rathaus. Wir konnten nicht alle Orte der Stadt erkunden, zuletzt hatten wir jedoch noch einmal einen unübertreffbaren Blick auf die Stadt und auf die “Schwarze Kirche” von oben.

Literatur und Realität - vergleichbar?

Es ist die Atmosphäre, die sich in Büchern und der Realität ähneln können, aber nicht identisch sein müssen. Ein einziges Element, wie z.B. tiefer Nebel - ähnlich wie Motive in der Literatur - kann die Wahrnehmungsperspektive verändern. Nicht zuletzt denke ich, ist es die innere Haltung, die beeinflusst, wir wir Umgebungen, fremde und bekannte Orte wahrnehmen und letzten Endes auch bewerten.

Zurück in Cluj kehrt die Hektik des Alltags ein - der Mix an Sprachen und die Silhouette der Stadt, die in mir immer wieder Assoziationen mit der Habsburgermonarchie hervorruft, begleiten mich.

24. +0200k312010bEurope/BerlinSun, 24 Oct 2010 13:59:43 +0200 2010

Besuch im Ethnografischen Park “Romulus Vuia”

Abgelegt unter: Allgemein — silvia petzoldt @ 13:59

Gestern, gegen 14 Uhr, machten wir uns, d.h. ich und Anna-Lena, eine Kollegin aus Gießen, auf den Weg ins Freilichtmuseum in Cluj, zu Fuß etwa 3 km, hinauf auf den Hügel, bei sonnigem Wetter.

Gegründt wurde das Museum am 12. April 1929 auf einen Beschluss des Landwirtschaftsministeriums. Seit 1964 liegt der Schwerpunkt des Freilichtmuseums, das zum Ethnografischen Museum der Stadt Cluj gehört, auf der Technik der Bauern (Wassermühlen etc.) und der Architektur der rumänischen Bauernhäuser in den verschiedenen Regionen.

Dementsprechend erwarteten wir einen Einblick in die Häuser- und Lebenskultur der Rumänen. Was wir sahen, waren tatsächlich jede Menge Häuser, sogar Holzkirchen.

Wir gingen von Haus zu Haus, und stellten schnell fest, dass die Bauernhäuser aus unterschiedlichen Zeitperioden stammten, und wir die erwartete zeitliche Struktur nicht finden konnten.

Vielleicht hätten wir doch einen Audio-Guide mitnehmen sollen? Um die Gebühr zu sparen, entschieden wir uns für einen englischsprachigen Prospekt: “National Ethnographic Park Romulus Vuia, Cluj-Napoca”. Doch es schien, als seien wir des Englischen nicht mächtig: wir rätselten darüber, was folgende Wörter bedeuten könnten (und standen doch direkt vor dem Objekt!):

Felting mill, felting mill with whirlpool (eine Art Badewanne!), Artisan’s Pile, Screw Press, Farmstead…

Na ja, so ungefähr wussten wir ja, was gemeint war.

Auch die älteren Frauen, die uns jeweils die Türen zu den Häusern aufschlossen, erzählten uns in fließendem Rumänisch Einiges zur Geschichte der Holzbauten. Und immer wieder die Frage unsererseits: “Din ce secolul?” - “Aus welchem Jahrhundert?”.

Nach etwa 2 Stunden hatten wir den Park durchquert und wir wurden von einer der älteren Frauen auch schon Richtung Ausgang gewiesen. Als wir den Park verlassen hatten, lief uns noch der kleine Hund hinterher, der das Parkgebiet bewachte. Zum Glück konnten wir ihn von der Straße fernhalten.

Ein schöner Nachmittag, mit interessanten Einblicken in die rumänische Bauernkultur ging um ca. 18 Uhr zu Ende.

24. +0200k312010bEurope/BerlinMon, 11 Oct 2010 17:12:16 +0200 2010

Blog-Start

Abgelegt unter: Allgemein — silvia petzoldt @ 17:12

Willkommen in meinem Blog, der mit meiner Ankunft in Klausenburg/Cluj/Kolozsvár am 11. Oktober 2010 startet. In den nächsten Wochen werde ich immer wieder über Neuigkeiten hier vor Ort und über meine Reise berichten.

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