12 Stunden Zugfahrt, 1000 Kilometer…?
Noch 6 Minuten bis zur Abfahrt des Zuges Richtung Budapest. Und ich hatte noch nicht mal das Ticket! Sah nur die Anstehenden am Schalter und dachte, jetzt muss ich gleich rennen und das vollgepackt mit großem Koffer. Schnell das Ticket gekauft und schon renne ich tatsächlich los, wie, weiß ich nicht genau, suche nach dem Gleis. Es regnet. Komme an und blicke mich um, kein Zug nach Budapest. Frage einen der rumänischen Schaffner auf dem Bahnsteig - ich, mit verzweifeltem Gesichtsausdruck - Zug, nach Budapest? Und er zeigt auf ein Nebengleis; der Zug würde jetzt gleich auf unser Gleis einfahren. Es saßen schon Fahrgäste im Zug, das bringt mich in Verwirrung. Und um Sicherheit zu gewinnen, dass der Zug nicht ohne mich wegfahren wird, komme ich ins Gespräch mit einem Ungarn, der die Worte des Schaffners bestätigt. Und so warten wir noch eine halbe Stunde, bis dann der Zug auf unser Gleis einfährt. Ein weiteres Abenteuer bestanden. Alles ruhig unterwegs. In Budapest schneit es. Ein viertätiger Zwischenaufenthalt ist angesagt, bevor es zurück nach Berlin geht. Das Ticket kaufe ich Freitag früh und freue mich, dass es noch preisgünstig ist. Samstag fahre ich nach Szeged, meine 90-jährigen Großeltern besuchen Die Angewohnheit, überallhin Lebensmittel und v.a. etwas Kaffee mitzunehmen, lasse ich auch jetzt nicht fallen. So schlendert wieder eine kleine Plastiktüte in meiner Hand. Die Zeit verfliegt und Montag Abend packe ich wieder den (nicht ausgepackten) Koffer, bringe die Budapester Wohnung in Ordnung und spreche mit Feri, den ich am nächsten Morgen treffen werde, um die Schlüssel zu übergeben. Nächster Morgen. Feri kommt mit etwas Verspätung, aber es ist genügend Zeit. Ein Schnupfen kündigt sich bei mir an. Ich bin froh: meinen Koffer aus dem 2. Stock trägt Feri hinunter. Ich rufe das Taxi, verabschiede mich mit etwas Wehmut von Feri und warte. Das Taxi kommt. Ein gut gekleideter älterer Herr, der sofort zu meckern anfängt, über eine Fußgängerin, die ihn nicht weiterfahren lässt, weil sie über die Straße muss und vieles mehr. Bis zum Keleti sind es nur knappe 10 Minuten, so dass das Meckern bald verstummt. Diesmal steige ich nicht in den Zug nach Klausenburg, sondern in den nach Berlin ein. Ich habe noch etwas Zeit; kaufe eine Zeitung. Schließlich steige ich ein, zwänge mich durch den schmalen Gang, und finde das Abteil. Es sitzen bereits zwei Asiatinnen da, auch mit viel Gepäck. Unterwegs fällt die Heizung aus, wir ziehen unsere Jacken an. Die Schaffner reden mal auf Slowakisch, Tschechisch, Ungarisch, und sehen doch alle irgendwie gleich aus. Ich blicke nach draußen, bin gespannt auf Berlin, höre die Stimme des deutschen Schaffners, deutsche Fahrgäste steigen ein, und das nachdem ich wenige Stunden, Tage zuvor nur Ungarisch oder Rumänisch gehört hatte. Sie sind zurückhaltender, aber selbst vergnügt. Wir kommen kurz nach 21 Uhr pünktlich auf die Minute in Berlin-Südkreuz an. Etwa 12 Stunden Zugfahrt habe ich hinter mir. Quer durch Osteuropa und doch ist Budapest nur 1,5 Stunden mit dem Flieger von Berlin entfernt. Aber ich bin wieder in Deutschland. Alles ruhig am Abend, keine Hektik im Bahnhof. Alles wirkt sicher, ganz anders als im südöstlichen Europa. Ich blicke auf den Zug, der weiter Richtung Hauptbahnhof fährt. Dort hat er sein Ziel erreicht und wird bald wieder Richtung Budapest fahren. Ich setze mich ins Auto, freue mich, dass mich mein Lichtenrader Vermieter abgeholt hat, und lasse meinen Blick und die Gedanken schweifen, diesmal im winterlichen Berlin…